Wenn doch das Sitzen nicht wäre

Es gibt zwei Excel-Tabellen, die ich führe, die die ganze Misere mit dem Bahnpendeln zeigen:

  • die eine enthält die Tage, an denen ich ins Büro fahre
  • die andere enthält die Zeitersparnis pro Fahrt, die ich mit einem Auto gehabt hätte

Dabei ist die Ausgangssituation gar nicht schlecht. Ich wohne keinen Kilometer von einem Haltepunkt des Regionalzuges entfernt. Und die Arbeit liegt nur ein paar hundert Meter von einer S-Bahn-Haltestelle in München entfernt. Und über den Arbeitgeber bekomme ich auch einen Zuschuss zum Deutschland-Ticket. Außerdem gibt es kleine Klapptischchen im Zug, auf denen man die ersten Mails und Aufgaben des Tages abräumen kann.

Das Aber hört man jetzt schon ein paar Zeilen lang kommen. Aber zwei Umstiege machen das Ganze ganz schön brüchig. Zuletzt waren die Umstiege am nächsten Bahnhof das Problem. Morgens habe ich laut Plan zehn Minuten. Die werden durch die Verspätung auf der Zubringerstrecke, der Mangfallbahn, immer aufgebraucht. Ganz besonders beim Zug, mit dem Schüler und Schülerinnen nach Rosenheim wollen.

Die Strecke wird von der BRB befahren. Anfang 2026 gab deren Geschäftsführer eine Pressekonferenz, auf der er laute Kritik an dem Vermieter der Strecke, der DB InfraGo, äußerte:

Auf der wichtigsten Strecke von Salzburg nach München, so Schuchmann, erreiche die BRB gerade noch eine Pünktlichkeit von etwa 65 Prozent.

Und das liegt an den Regeln, die der Mutterfirma des Streckenbetreibers Vorteile verschaffen:

Hat aber ein ICE oder ein IC Verspätung, starten auch alle nachfolgenden, langsameren Züge später. Die Verzögerung wird also in das gesamte Netz hineingetragen, was etwa bei der BRB immer wieder zur Folge hat, dass Züge aus Salzburg frühzeitig am Ostbahnhof enden, weil die Strecke zum Hauptbahnhof nicht mehr frei ist.

Das Besondere am Deutschlandticket ist aber, dass ich damit nur die blauen Züge der BRB benutzen kann, die hier für den Regionalverkehr vom Freistaat Bayern eingesetzt wurden. Ein Upgrade gibt es nicht auf den Railjet oder ICE, sondern da ist eine ganze Fahrkarte fällig - mehr als 20 Euro kostet die für eine Fahrt. Das ist es mir auch nicht wert.

Also Ausweichen auf andere Formen des Transports. Bislang sind wir als sechsköpfige Familie mit einem Auto ausgekommen - aber auch nur deshalb, weil ich mir das Auto der Schwiegermutter mindestens zwei Mal im Monat ausleihen durfte für die Pendelei. Das ist aus zwei Gründen kein Modell für die Zukunft:

  • Es ist nicht fair - es verlagert die Kosten nur weg vom eigenen Konto. So kann ich nicht erfahren, was mich die verbesserte Mobilität kostet.
  • Spätestens seitdem ich abgenommen habe, macht mir der enge Sitz ihres Autos (ein Hyundai Kona der ersten Generation) zu schaffen. Spätestens nach 30 Minuten zwickt es im Rücken. Und die Fahrt ins Büro dauert einfach mindestens 45 Minuten, eher 55-60.

Vor dem Haus haben wir einen Stellplatz, und bei der Arbeit kann ich auch kostenfrei parken. Dazu kommt eine Solaranlage auf dem Haus, samt Energiespeicher im Keller. Und bei der Arbeit kann ich für etwa 18 Cent pro Kilowattstunde laden. Es ist 2026, und auch ohne Iran brauche ich keine Argumente mehr dafür, dass die Zeit der Verbrenner abgelaufen ist. Hier noch mal die Rechnung für 15.000 km / Jahr bei einem typischen Verbrauch für einen Benziner und einem typischen Elektroauto-Vergleich.

\[\begin{aligned} E_{\text{Jahr}} &= 15.000\,\text{km} \cdot \frac{7{,}7\,\mathrm{L}}{100\,\text{km}} \cdot \frac{9\,\text{kWh}}{\mathrm{L}} \\[4pt] &= 1.155\,\mathrm{L} \cdot 9\,\text{kWh/L} \\[4pt] &= \boxed{10.395\,\text{kWh} \approx 10{,}4\,\text{MWh pro Jahr}} \end{aligned}\]

Und hier der Stromer, äh, das Elektroauto:

\[E_{\text{Jahr}} = 15.000\,\text{km} \cdot \frac{20\,\text{kWh}}{100\,\text{km}} = \boxed{3.000\,\text{kWh} = 3\,\text{MWh pro Jahr}}\]

Das Elektroauto benötigt in dieser Rechnung rund 71 % weniger Energie. Da muss man nicht mehr lange überlegen, oder? Auch mit den höheren Kosten in der Herstellung, etwa für Batterien, ist das Elektroauto eine gute Sache.

Aber mal allmählich zum Punkt kommen: Über meine Körperbreite habe ich geschrieben. Damit passe ich nicht in schmale Sitze. So schön ich den CLA auf der IAA auch fand, für mich und meinen Sohn sind die Sitze in der ersten Reihe nix. (Mein Sohn sieht aus wie ich, wenn ich sportlich wäre, mit V-förmigem Rücken.) Die in der zweiten Reihe sowieso nicht. Denn da ist für uns Sitzriesen der Dachhimmel ein ernster Gegner. Ich fühle mich da oft wie in einem 500er Fiat - als einfach ausgeschlossen von dieser Fahrzeugkategorie. Für den i4 gilt das Gleiche: Die Sitze sind schmal geschnitten wie ein Slim-Fit-Anzug. Aber trotz meines Slimming-Downs in diesem Jahr - an den Schulterknochen geht halt nix weg. Fallen die beiden schönsten deutschen Elektroautos weg. Größere passen nicht ins Budget, also schauen, was es sonst noch so gibt.

Nach einer desaströsen Probefahrterfahrung mit dem so gelungenen Kia EV 6 (dauernd auf der Landstraße an den Dachholm gestoßen) mache ich meine Probefahrten inzwischen so aus: erst ins Autohaus fahren, probesitzen und dann Termin ausmachen. So habe ich mir schon die Probefahrten mit dem Hyundai Inster, dem Kia EV2 und den beiden süddeutschen Modellen von oben sparen können.

Inzwischen lasse ich mich wie bei so vielen Dingen von KI in solchen Fällen beraten. Leider fehlt da ganz oft die Referenz. Autohersteller geben hunderte von Pressefotos heraus, aber Innenraummaße zu finden, ist schwierig. Da muss man schon einige Subagenten losschicken. (In meiner Freizeit träume ich noch von einer datengetriebenen, ganz anderen Auto-Webseite. Bis dahin muss diese Version von kombiprojekt.de reichen.) Was habe ich also mit den Agenten gemacht: Von den Autos, die für mich in Frage kamen - zu der Liste komme ich gleich noch, habe ich Standfotos von den Sitzeinstellungen aus den YouTube-Videos in Auftrag gegeben.

Vergleich der Innenräume von Polestar 4, XPENG G6, XPENG G9 und BYD Sealion 7: Cockpit, Vordersitze, Rücksitze, Innenraumdaten und Ausstattung Innenräume im Vergleich (Bild anklicken für die Großansicht)

BMW iX3

TODO Platzhalter: Absatz zum BMW iX3 (Sitzposition, Sitzbreite, Kopffreiheit, Eindruck).

Cockpit des BMW iX3 50 xDrive in der Dämmerung mit Panoramadisplay Foto: BMW Group

Vordersitze des BMW iX3 M60 mit M-Sportsitzen in Grau und Schwarz Foto: BMW Group