Car Porn: Autojournalismus als reine Unterhaltung

Journalismus hat immer auch die Aufgabe, das Publikum zu unterhalten. Qualitätsmedien vergessen das manchmal. Manchmal schießen Onlinemedien über das Ziel hinaus und schielen nur auf den schnellen Klick für den Augenblick. Möglichst viele davon, Stefan Niggemeier kann ein Lied davon singen.

Unterhaltsam scheinen die Texte zu sein, in denen es um hohe dreistellige PS-Werte und Drehmomente gibt. Allemal dreistellig sind aber auch die Zahl der Fahrzeuge, die davon nach Deutschland kommen.

Auto News bringt eine Story über einen offenen Ford Mustang mit 650 PS. Ich habe wohl erst zwei Mustangs im Leben gesehen, eine davon in München. Mehr werden es wohl nicht weiter. Bezug zur Lebenswirklichkeit von Menschen und Autofahrern? Null. Aber Unterhaltung, Träumen, so etwas wie die Kelly Bag in Autoform. Oder der Reisebericht einer Mount-Everest-Besteigung. Man kann es Fantasiejournalismus nennen. Ich nenne es Car Porn. Das werde ich in loser Folge mal häufiger versuchen hier aufzugreifen, wenn ich eklatante Beispiele finde.

Hier ist die US-Microsite für den übermotorisierten Mustang, bei dem ich schwören könnte, das sich die Karosserie nach US-Bauart bei der Power leicht verzieht.

Bei minus neun Grad Celsius offen Cabrio fahren

BMW 328i Cabriolet 1998

Angeber gibt es viele. Viele von ihren fahren Angeberautos. Ein schickes Angeberauto ist ja zum Beispiel ein BMW 3er Cabrio. Damit kann man auch im Winter offen fahren. Wie sagte eins ein väterlicher Freund zu mir: “Klar, mit meiner Corvette bin ich auch im Januar offen gefahren. Man musste halt die Heizung voll aufdrehen.”

Bei der derzeitigen sibirischen Kältewelle in Deutschland ist es dennoch eine Leistung, wie ich finde. Mit Mütze und Sonnenbrille und Schal saß tatsächlich letzte Woche ein Mann in einem offenen BMW 3er auf der Landstraße – und fuhr bestimmt 70.

Hätte gerne ein Foto von seiner Klimaanlage gemacht. Die stand bestimmt auch auf 70 Grad.